Die EU als Friedensgemeinschaft

Europa war über 2000 Jahre ein Kontinent der Kriege, mit abgrundtiefen menschlichen Verwerfungen im 20. Jahrhundert. Die 74 Friedensjahre in den Staaten der Europäischen Union seit 1945 sind nun die längste, ununterbrochen andauernde Friedensperiode in Europa. Meine Generation ist die erste, die keinen Krieg auf deutschem Boden erleben musste und für die es keine (Erb-)Feindschaft gegen unserer Nachbarn gab. Dass all dies nicht Selbstverständlich ist, sehen wir keine drei Flugstunden entfernt von Düsseldorf an den EU-Außengrenzen im Osten und Südosten unseres Kontinents. Dieses Europa hat uns nun über 60 Jahre lang Sicherheit, Wohlstand aber vor allen Dingen den Frieden gebracht hat. Bei all den vielen und wichtigen Erfolgen der Europäischen Union als Werte- und Wirtschaftsgemeinschaft, ist und bleibt die EU jedoch zu allererst und nach wie vor Garant für den Frieden. Dafür hat sie 2012 zu Recht den Friedensnobelpreis erhalten. Es war die europäische Einigung, die dem Frieden eine endgültige Heimstätte auf unserem Kontinent gegeben hat. 101 Jahre nach dem Ende des 1. Weltkriegs, 74 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs, 70 Jahre nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland und 30 Jahre nach dem Ende der Teilung unseres Vaterlandes sind wir zum ersten Mal in der unserer Geschichte umgeben von Partnern und Freunden, in einem vereinten Land in mitten eines geeinten Europas. Nicht ein Menschenleben lang ist es her, als der von Hitler- Deutschland entfesselte Krieg unermesslichen Leid und Schaden über so viele Millionen Menschen gebracht hat. In ganz Europa waren die Wunden noch zu sehen die dieser Krieg geschlagen hatte. Noch viel größer waren die Wunden in den Herzen unserer Nachbarn. Und doch reichten sie unserem Land die Hand und gemeinsam in Rom vor 62 Jahren setzten sie das Fundament für das neue Europa. Wir erinnern uns an die Gründerväter Adenauer, Schuman, Gasperi, Monnet, die sich auf den Ruinen Europas darauf einigten, dass nur durch eine Gemeinschaft der Friede langfristig erreicht wird. Seitdem war der Weg, von den Anfängen bis heute bestimmt vom Wachsen und Gelingen dieses neuen Europas. Von den schwierigen Jahren in wirtschaftlicher und moralischer Hinsicht im Nachkriegseuropa bis hin zu einer Normalität für die heutige Generation, die wie selbstverständlich in den verschiedenen EU-Ländern grenzenlos leben, arbeiten, studieren, mit derselben Währung bezahlen und die gleichen Rechte genießen. Für die es ebenso normal ist einen Partner im benachbarten Ausland zu haben wie im benachbarten Dorf. Wenn wir dies heute unseren Großeltern und Urgroßeltern erzählen könnte, die Europas Städte noch in Schutt und Asche erleben müssen, die ihre Ehemänner, Väter, Brüder oder Söhne auf dem Schlachtfeld verloren haben, die die wirtschaftliche Not und den Hunger erleben mussten, sie würden unser Glück kaum glauben können. Es liegt an uns, dass dieses Glück nicht endet und der europäische Traum auch von den kommenden Generationen weitergeträumt werden kann. Vergessen wir bei aller berechtigter Kritik nicht diese großartige Leistung und vergessen wir nicht, dass das Hauptziel der Gründerväter erreicht wurde.

 

Der Konflikt um die Ukraine zeigt, dass Frieden nicht selbstverständlich ist. Seit fast 70 Jahren leben wir mit unseren Nachbarn in Frieden. Das ist auch ein Verdienst der Europäischen Union. Wer wie die AfD oder die Linkspartei gegen eine gemeinsame europäische Außenpolitik und für eine einseitige Annäherung an Russland eintritt, verkennt die tatsächlichen Verhältnisse in Europa und leistet der Destabilisierung Vorschub. Denn Präsident Putin ist keineswegs, wie Gerhard Schröder einmal behauptet hat, ein lupenreiner Demokrat.

Erst kürzlich wurde die Europäische Union mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Dieser Preis ist eine Auszeichnung für alle 500 Millionen Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union. Er gilt nicht vor allen den hauptamtlichen Funktionären der Institutionen, sondern ist ein Preis für uns alle. Darauf können wir gemeinsam stolz sein. Die europäische Einigung ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte. In diesem Jahr gedenken wir des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs (1914) vor 100 und dem des 2. Weltkriegs (1939) vor 75 Jahren. Die beiden Weltkriege bildeten den grausamen Höhepunkt einer jahrhundertelangen europäischen Normalität. Alle 20 bis 30 Jahre brach in Europa erneut Krieg zwischen Deutschland und Frankreich oder anderen Nachbarn aus.

Weil die Menschen nach dem 2. Weltkrieg unter dem Motto „Nie wieder Krieg“ für ein vereintes Europa demonstriert haben und kluge Staatsmänner wie Konrad Adenauer diese Idee aufgriffen, haben wir seitdem eine einzigartige Periode von Frieden und Wohlstand. Trotz aller Schwierigkeiten, zum Beispiel im Rahmen der Staatsschuldenkrise im Euroraum, dürfen wir dies nicht vergessen. Frieden ist nicht selbstverständlich sondern muss immer wieder neu geschaffen werden. Deshalb müssen wir nationalistischen Bestrebungen mutig entgegentreten. Nicht alles in Europa ist perfekt. Auch ich ärgere mich über viele Vorschläge, wie z.B. das Ölkännchenverbot oder der Vorschlag für junge Menschen, die eine Krankenpflegerausbildung beginnen wollen, de facto das Abitur vorzuschreiben. Ich bin froh, dass wir beides verhindert haben. Aber solche Ideen sprechen nicht gegen Europa, sondern dafür die richtigen Vertreter ins Europäische Parlament zu schicken.

 

Friedensnobelpreis auch für uns in Südwestfalen

Am 10.12.2012 wurde der Europäischen Union offiziell der Friedensnobelpreis verliehen! Damit
wird anerkannt, dass der Krieg, der jahrhundertelang der Normalzustand in Europa war, endlich überwunden ist. Durch die Zusammenarbeit der Völker haben wir seit dem zweiten Weltkrieg eine nie dagewesene Friedens- und Wohlstandsperiode erlebt. Der Preis gilt nicht nur den Vertretern der offiziellen EU-Institutionen. Er ist ein Preis für alle 500 Millionen Menschen in der EU und damit auch für die 1,44 Millionen Bürgerinnen und Bürger in Südwestfalen. Um dies deutlich zu machen, hat unsere Fraktion Friedensnobelpreis-Medaillen prägen lassen, die an Menschen, die sich ehrenamtlich für die europäische Idee engagieren, verliehen wurden.

 

Beispiele für Preisträger in Südwestfalen sind u.a.:
Hartmut Steuber, Vorsitzender des CDA Kreisverbandes Siegen-Wittgenstein,
Stephan Stickeler, Vorsitzender des Kolpingwerkes im Diözesanverband Paderborn und Europabeauftragter der CDU Olpe,
Dr. Adalbert Düllmann, Vorsitzender der Europa Union im Märkischen Kreis,
Jürgen Prigl, Dombaumeister St. Maria zur Wiese Soest und
Schülerinnen und Schüler der St. Walburga Realschule Meschede für die Organisation und Teilnahme an einem europäischen Partnerschaftsprojekt.

 

 

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