Austausch zwischen NOWEDA-Chef Dr. Kuck und dem EU-Abgeordneten Dr. Peter Liese / Apotheken und Großhandel federn Lieferengpässe ab / Belieferungsanspruch im EU-Pharmapaket zwingend erforderlich
Arzneimittellieferengpässe nehmen seit Jahren zu und bedrohen die gesicherte Versorgung mit Medikamenten. Mit dem Critical Medicines Act will die EU gegensteuern. Das war eines der zentralen Themen, über die sich der EU-Abgeordnete Dr. Peter Liese mit dem NOWEDA-Vorstandschef Dr. Michael Kuck und Vertriebschef Udo Harneit in Essen austauschte.
„Für Apotheken ist die Medikamentenknappheit seit Jahren eine wachsende Herausforderung. Das ist für Patienten belastend und geht für Apothekerinnen und Apotheker mit massivem, unvergütetem Mehraufwand einher“, so NOWEDA-Chef Dr. Kuck. „Wir warnen bereits seit Jahren, dass sich Deutschland und Europa in einer gefährlichen Abhängigkeit von wenigen Produktionsstätten in Asien befinden. Wir begrüßen, dass das Thema mittlerweile in der EU viel mehr Beachtung findet.“
„Die EU-Mitgliedstaaten haben bei der Beschaffung von wichtigen Arzneimitteln in den letzten Jahrzehnten nur noch auf den Preis geachtet. Dadurch sind wir extrem abhängig von Indien und China geworden. Dies muss sich unbedingt ändern, und es wird sich nur ändern, wenn die Mitgliedstaaten hier ein gleichgerichtetes Verhalten zeigen. Nur wenn wir die Marktmacht von 450 Millionen Menschen nutzen, werden Firmen investieren und in Europa Medikamente herstellen“, erklärt Dr. Peter Liese MdEP und Mitglied des Ausschusses für öffentliche Gesundheit.
Im Gespräch verdeutlichte Dr. Kuck zudem, wie wichtig der Belieferungsanspruch des pharmazeutischen Großhandels gegenüber der Pharmaindustrie im EU-Pharmapaket ist. „Vor dem Hintergrund der Lieferengpässe appellieren wir dringend an die EU, den Belieferungsanspruch in das Pharmapaket aufzunehmen. Die vollversorgenden pharmazeutischen Großhandlungen sind gesetzlich verpflichtet, Apotheken bedarfsgerecht mit Arzneimitteln zu versorgen. Diesen gesetzlichen Sicherstellungsauftrag können wir nur mit einem Belieferungsanspruch erfüllen“, so Dr. Kuck.
Klar wurde im Gespräch auch: Zu einer funktionierenden Gesundheitsinfrastruktur gehöre die Erhöhung des Apothekenhonorars. Eine angemessene Vergütung sei für die Zukunft der Vor-Ort-Apotheken unerlässlich: „Die flächendeckende, dezentrale Struktur ist ein hohes Gut für die Menschen in Deutschland. Diese Errungenschaft müssen wir unbedingt schützen; dazu muss der Beruf attraktiver gemacht werden“, so Dr. Liese. Die Systemrelevanz der lokalen Apotheken zeige sich nicht zuletzt in Krisenzeiten. Bei Pandemien oder im Verteidigungsfall sei die niedrigschwellige, wohnortnahe Arzneimittelversorgung der Apotheken unbezahlbar, waren sich Dr. Kuck und Dr. Liese einig.
Im Rahmen einer Betriebsführung verschaffte sich Dr. Liese zudem ein Bild von der Leistungsfähigkeit des Großhandels, der eine bedarfsgerechte Belieferung von Apotheken mehrmals täglich innerhalb kürzester Zeit ermöglicht. Die Einhaltung der durchgängigen Kühlkette (GDP) kam dabei ebenfalls zur Sprache. Hier brauche es dringend ein Level Playing Field im Wettbewerb mit den Industrieversendern aus den Niederlanden.
Medieninformation der NOWEDA Apothekergenossenschaft eG vom 29.08.2025
