Hauptproblem in Deutschland ist die Organisation der Organspende in den Krankenhäusern / Von Spanien lernen


Anlässlich der am Donnerstag anstehenden Abstimmung zur Organspende im Deutschen Bundestag warnte der gesundheitliche Sprecher der größten Fraktion im Europäischen Parlament (EVP-Christdemokraten) Dr. med. Peter Liese davor, zu glauben, dass mit einer Widerspruchslösung die Zahl der Organspenden automatisch steige. Es sei sehr viel wichtiger, die Organisation in deutschen Krankenhäusern zu verbessern und dafür zu sorgen, dass potenzielle Organspender auch tatsächlich identifiziert werden. Dazu verwies Liese auf Erfahrungen im europäischen Ausland. „Ich halte die Widerspruchslösung für ethisch vertretbar und glaube, dass bei der Debatte im Deutschen Bundestag beide Seiten sehr gute Argumente haben. Ich sehe jedoch die Gefahr, dass man sich zurücklehnt und denkt, mit einer Widerspruchslösung sei das Problem gelöst. Das Land mit den meisten Organspenden pro Kopf ist Spanien und die spanischen Verantwortlichen haben mir mehrfach erklärt, dass die Widerspruchslösung ganz und gar nicht entscheidend für die guten Zahlen sei. Auch in Spanien werden die Angehörigen nach dem Eintreten des Hirntods gefragt, ob sie mit der Organspende einverstanden sind. Entscheidend ist die Organisation in den Krankenhäusern. In Spanien wird jeder potentielle Spender identifiziert und professionelle Transplantationsbeauftragte führen ein einfühlsames Gespräch mit den Angehörigen. In Deutschland ist dieses System gerade erst im Aufbau und insbesondere in kleinen Krankenhäusern werden nicht alle potenziellen Spender überhaupt identifiziert, d.h., es gehen Organe verloren, obwohl die Angehörigen im Zweifel bereit wären, einer Organspende zuzustimmen. Wenn wir an diesen Problemen nicht massiv arbeiten, werden auch auf Dauer viele Menschen sterben, während sie auf ein Spenderorgan warten“, so Liese.

Liese erläuterte, dass auch auf EU-Ebene alles getan wurde, um die europaweite Verfügbarkeit von Organen zu erhöhen. „Seit einigen Jahren haben wir europaweit einheitliche Sicherheitsstandards von menschlichen Organen. Das kann und muss den Austausch von Organen über die Grenzen hinweg erleichtern. Es ist doch nicht vermittelbar, dass zum Beispiel in Polen ein Organ zur Verfügung steht was nicht gebraucht wird, dieses dann aber nicht genutzt werden kann obwohl jenseits der Grenzen ein Patient dringend darauf wartet“, so Liese.

Eine harmonisierte Einführung der Widerspruchsregelung oder einer Zustimmungsregelung lehnt Liese hingegen ab. Diese hochsensiblen ethischen Fragen müssen weiterhin auf Ebene der Mitgliedstaaten entschieden werden. „Ich habe höchsten Respekt vor den Bundestagskollegen, die sich über Fraktionsgrenzen hinweg mit dem Für und Wider beschäftigen. Dies darf nicht durch europäische Harmonisierung torpediert werden“, so Liese.

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